Ich verstehe unter digitalen Kompetenzen zunächst diejenigen, die es für ein selbstbestimmtes Leben und Arbeiten in einer digitalisierten Welt braucht. Dazu gehört sicher die Kompetenz, digitale Technologien und Werkzeuge anzuwenden und für sich zu nutzen. Aber auch das Bewusstsein, wie man sich im digitalen Raum zeigt und bewegt und welchen Einfluss er auf unser Leben nehmen kann- zum Beispiel durch zu viel Information oder Nutzung unserer Daten.

Daneben sehe ich die Fähigkeit zur Zusammenarbeit als wichtiger Bestandteil der digitalen Kompetenzen. In einer Welt mit rasant wachsendem Wissen und immer komplexeren Aufgaben ist es nicht mehr möglich, alles zu wissen und Probleme alleine zu lösen. Gefragt ist Kollaboration und Partizipation. Diese findet nicht nur, aber immer mehr im digitalen Raum statt, da die benötigen Wissensträger kaum mehr alle vor Ort zu finden sind. Es gilt also, digital interagieren und zusammenarbeiten zu können.

Digitale Kompetenz geht aber noch viel weiter. Sie beinhaltet, sich selbst in der sich rasch ändernden digitalen Welt mitzuentwickeln und diese mitzugestalten. Sei es das eigene lebenslange Lernen, in dem wir selbstbestimmte Lernwege zu persönlichen, auf momentane Bedürfnisse ausgerichteten Lernzielen gehen. Oder die Digital Citizenship, das Nutzen von Technologien für die Gesellschaft und einhergehende Diskussionen um Werte und Normen.

Dieser Schritt erfordert und fördert die Entfaltung einer offenen Einstellung – zu sich selbst, zur Arbeit und zur Welt als sich permanent verändernde, mit Unsicherheiten behaftete Komponenten unseres Seins.

Digitale Kompetenzen zu fördern- sowohl bei Lernenden als auch bei Lehrenden- sollte heute ein zentrales Anliegen aller Bildungsinstitutionen sein. Denn niemand kommt an der digitalen Welt vorbei. Die Kunst ist, sie in den Lehr- und Lernalltag so zu integrieren, dass sie ein natürlicher Bestandteil davon werden.

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