Eine Hochschule ist zwar eine Organisation, aber mit einer speziellen Struktur und Kultur. Entsprechend scheinen sich die einen organisationsentwicklerischen Modelle und Prinzipen übernehmen zu lassen, andere hingegen sind weniger passend. In welchen Aspekten sind Hochschulen Organisationen wie viele andere? Welche Charakteristika sind hingegen einzigartig? Und was bedeutet dies für diejenigen, welche Curriculums- und Lehrentwicklung anstossen und umsetzen möchten?
In der Publikation Studiengänge für eine digitale Welt des Hochschulforum Digitalisierung finden sich folgende Beschreibungen:

Daraus lassen sich für mich diverse Folgerungen ziehen, hier ein paar erste Beispiele:
Mitglieder einer Hochschule identifizieren sich mit ihrem (Forschungs-) Gebiet/ihrer Arbeitsgruppe vor ihrem Departement/Fakultät vor ihrer Hochschule. Dadurch ergeben sich speziell bei Führungspersonen Spannungen, da sie stets „mehrere Hüte tragen“. Top-down Initiativen können genau an diesem Umstand scheitern- und tun es häufig.
An einer Hochschule mit vielen verschiedenen Domänen und ihren Experten können sich sehr unterschiedliche (Departements-) Kulturen entwickeln, welche entsprechend unterschiedliche Kommunikation pflegen und unterschiedliche Wahrnehmungen haben. Es gibt schlussendlich nur wenig gemeinsame „Hochschulkultur“.
Hochschulen gelten hiermit als wenig steuerbar. Dies gilt jedoch mit einem systemischen Blick für alle Organisationen. Auch in stark hierarchisch geprägten Organisationen heisst die Einführung einer formalen Regel nicht, dass sie eingehalten wird oder den gewünschten Effekt erzielt.
Daraus ergeben sich spezielle Voraussetzungen oder Bedingungen, um als Mitglied des Third Space agieren zu können. Als Schnittstelle zu den verschiedenen Bereichen können die unterschiedlichen Identitäten und Kulturen wahrgenommen und die eigene Kommunikation und Aktionen darauf ausgerichtet werden. Gerade dass Hochschulen auch anarchistisch funktionieren, kann dabei eine grosse Chance sein. Sind die für die eigenen Belange wichtigen Akteure mit an Bord, kann eine Initiative auch ohne die dazu nötige formale Stellung umgesetzt werden- dank ihrer Unterstützung und Einflussnahme. Die eigenen Initiativen sollten dabei klein gedacht und agil umgesetzt werden. Dies erhöht einerseits die Chance, sie überhaupt in die Wahrnehmung der (meist sehr ausgelasteten) Akteure bringen zu können. Vielmehr aber sind die Effekte einer Initiative nicht voraussehbar, was es essentiell macht, die nächsten Schritte permanent anpassen zu können.
Photo by Martin Sanchez on Unsplash
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